Oberkirchenrat Pfarrer i.R. Klaus Eberl †

1955 - 2025 Urkunde und Medaille

Aktuelles 2026

Die Stiftung Sozialer Protestantismus trauert um ihren Vorsitzenden Oberkirchenrat i.R. Pfarrer Klaus Eberl


Der Vorsitzende der Stiftung, Klaus Eberl, ist am 21.10.2025 verstorben.

  • Eine Würdigung seines Wirkens für die Stiftung finden Sie am Ende dieser Seite:
    zum Nachruf der Stiftung    

  • Da Klaus Eberl in vielen weiteren Gremien tätig war, haben wir einige Nachrufe zusammengestellt, die Sie über den nachfolgenden Link aufrufen können:
    Weitere Nachrufe auf Klaus Eberl

Die Nachrufe können auch unter Downloads (Abschnitt: Von Personen) eingesehen werden Downloads




Kurze Zeit vor seinem Tode war Klaus Eberl das Bundesverdienstkreuz am Bande zuerkannt worden. Davon hat er noch während eines Krankenhausaufenthaltes erfahren. Er verstarb jedoch, bevor er die Auszeichnung persönlich entgegennehmen konnte.


Am 29.01.2026 hat deshalb der Landrat des Landkreises Heinsberg das Klaus Eberl zugesprochene Bundesverdienstkreuz in einer kleiner Feierstunde an seine Witwe Irmgard Eberl übergeben. Dazu hat der Kreis Heinsberg folgenden Text veröffentlicht:


"Landrat Stephan Pusch hat in Wassenberg den Bundesverdienstorden der Bundesrepublik Deutschland an Irmgard Eberl ausgehändigt. Das Verdienstkreuz am Bande war ihrem Ehemann, Oberkirchenrat i.R. Klaus Eberl aus Wassenberg, kurz vor seinem Tod verliehen worden. An der Übergabe nahmen neben dem Landrat im kleinen Kreis Verwandte und Freunde der Familie Eberl, Superintendent Jens Sannig (Kirchenkreis Jülich) sowie die stellvertretende Landrätin Jutta Schwinkendorf teil.

Gemeinsam mit Hans-Joachim Schwabe aus Schwalmtal hatte Jutta Schwinkendorf den Vorschlag für die Auszeichnung unterbreitet. „Durch sein jahrzehntelanges Engagement im sozialen und kirchlichen Bereich hat Klaus Eberl auszeichnungswürdige Verdienste erworben“, sagte Landrat Stephan Pusch. Klaus Eberl sei weit über die Grenzen des Kreises Heinsberg hinaus bekannt und geschätzt gewesen – als Seelsorger, Brückenbauer zwischen Kirche und Gesellschaft, und als Mensch, der mit seinem außergewöhnlichen Wirken viele berührt habe.

Bis zu seinem Ruhestand 2018 war Klaus Eberl Oberkirchenrat der Evangelischen Kirche im Rheinland und leitete dort die Abteilung Erziehung und Bildung. Von 2005 bis 2018 war er zudem Vizepräses der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland. Besonders prägend war sein Einsatz für Menschen mit Behinderung in der russischen Stadt Pskow. Nach einer Reise im Jahr 1991 entwickelte er gemeinsam mit Eltern vor Ort die Idee einer qualifizierten Betreuung für Kinder mit Behinderung. Dank seines Engagements entstand 1993 das Heilpädagogische Zentrum Pskow (HPZ), dessen Aufbau er mit Fördermitteln, fachlicher Begleitung und großem persönlichem Einsatz vorantrieb. Heute werden dort rund 500 Kinder an fünf Standorten gefördert. Das Modell findet international Beachtung.

Klaus Eberl gründete zudem die „Initiative Pskow“ als Dachorganisation deutscher Aktivitäten in der Region und unterstützte weitere Einrichtungen wie eine Werkstatt für Menschen mit Behinderung, Frühförderangebote und Ausbildungsprogramme. Über zwei Jahrzehnte reiste er regelmäßig nach Pskow und organisierte Fachkonferenzen sowie öffentlichkeitswirksame Projekte, darunter eine Fahrradtour mit Jugendlichen zur Spendengewinnung. Auch in Deutschland engagierte er sich nachhaltig, unter anderem im Lions Club Selfkant, als Zweiter Vorsitzender des Christlichen Kindervereins Wassenberg e.V. sowie in der Aufarbeitung der NS-Verbrechen in Wassenberg. Auf seine Initiative hin wurde die Gesamtschule in Wassenberg nach Betty Reis benannt.

Für sein Wirken wurde Klaus Eberl vielfach geehrt, unter anderem im Jahr 2000 als Ehrenbürger der Stadt Pskow. Sechs Jahre später erhielt er den Preis „Begegnung 2006“ der Stiftung Kreissparkasse zur Förderung der Internationalen Gesinnung, des Völkerverständigungsgedankens und der Toleranz. „Sein Tod ist ein großer Verlust für seine Familie, seine Heimatgemeinde und den Kreis Heinsberg“, sagte Landrat Pusch, „mit seinem Wirken hat er vielen Menschen Hoffnung und neue Perspektiven geschenkt. Viele in unserer Region erinnern sich an seine klugen Worte, seine stille Stärke und seine Fähigkeit, auch in schwierigen Zeiten Hoffnung zu schenken.“ Klaus Eberl bleibe den Menschen im Kreis Heinsberg als liebenswürdiger, engagierter und charismatischer Mensch in Erinnerung, der sich trotz seiner schweren Krankheiten bis zuletzt für Menschen mit Beeinträchtigung, für Frieden und Völkerverständigung in besonderer Weise eingesetzt habe."

Landrat Stephan Pusch hat in Wassenberg den Bundesverdienstorden der Bundesrepublik Deutschland an Irmgard Eberl ausgehändigt. Foto: Jens Sannig

Quelle: https://www.kreis-heinsberg.de/startseite/beitrag-lesen/landrat-pusch-ueberreicht-bundesverdienstkreuz-an-witwe-von-klaus-eberl.html [Download vom 30.01.2026]




Nachruf der Stiftung Sozialer Protestantismus auf Oberkirchenrat i.R. Klaus Eberl

Die Stiftung Sozialer Protestantismus trauert um ihren Vorstandsvorsitzenden

   

Oberkirchenrat i.R. Klaus Eberl

der am 21.10.2025 im Alter von 69 Jahren verstorben ist.

Seinem Jahrzehnte währenden, hohen Engagement verdankt die Stiftung wesentlich ihr aktuelles sozialethisches Profil.

Für Klaus Eberl war die Übernahme gesellschaftlicher Verantwortung seit seinem Theologiestudium in Bonn und Wuppertal ein zentrales theologisches Anliegen. Dementsprechend hat er sich als Pfarrer in der Gemeinde Wassenberg, als Superintendent des Kirchenkreises Jülich und später als für die Bildungsarbeit verantwortlicher Oberkirchenrat der EKiR für diesen Auftrag in besonderer Weise engagiert.

Die Überzeugung, die gesellschaftsverändernde Kraft des Glaubens produktiv in das öffentliche Leben einzubringen und gerade auch auf diese Weise das Evangelium von Jesus Christus zu bezeugen, zieht sich wie ein roter Faden durch das Wirken von Klaus Eberl. Sein Engagement brachte ihn früh in Kontakt mit der Arbeit der „Evangelischen Sozialakademie Schloss Friedewald“, von der er zahlreiche Anregungen erhielt. Er selbst sorgte mehr als zwei Jahrzehnte dafür, dass der Pfarrkonvent des Kirchenkreises Jülich sich einmal im Jahr zu einer intensiven theologisch-sozialethischen wie geistlichen Orientierung in Friedewald traf und sich dort über die Grundlagen der eigenen Arbeit vergewissern konnte.

Der kontinuierliche Kontakt riss auch nach dem Ende der Unterstützung der Sozialakademie seitens EKD nicht ab. Klaus Eberl gehörte zu denen, die weiterhin Tagungen in Friedewald durchführten und entsprechende Angebote vermittelten. Zugleich stellte er im Rahmen des Vereins der Ev. Sozialakademie mit anderen die Weichen für eine weitergehende sozialethische Verantwortung in der Tradition von Friedewald, auch nach der Aufgabe des dortigen regelmäßigen Tagungsbetriebs.

Von Beginn an engagierte er sich in der 2004 neu gegründeten „Stiftung Sozialer Protestantismus“ und übernahm im Jahr 2015 in der Nachfolge von Alt-Bischof Horst Hirschler den Vorstandsvorsitz. Seither hat er organisatorisch und geistlich den Weg der Stiftung zur weiteren Profilierung der Arbeit des Sozialen Protestantismus wesentlich geprägt, ungeachtet seiner schweren Erkrankung.

Inhaltlich lässt sich Klaus Eberls sozialethische Position in dem unermüdlichen Einsatz für eine inklusive Kirche zusammenfassen. Der Begriff der Inklusion verbindet seine zentralen bildungs- und gesellschaftspolitischen Intentionen: Es ging ihm immer darum, die Teilhabe aller Menschen zu ermöglichen und sie exemplarisch in die Gemeinde Jesu Christi als Gemeinschaft des Gebens und Nehmens einzubeziehen. Niemand darf ausgeschlossen und zurückgelassen werden, weder in der Schule noch in der Gesellschaft – und erst recht nicht in der Kirche. Klaus Eberl engagierte sich für eine Kirche, in der Inklusion zur Selbstverständlichkeit wird, die Vielfalt als Reichtum zu würdigen versteht und die diese Impulse überzeugend in die Gesellschaft hinein vermittelt.

Gemeinsam mit seiner Familie nehmen wir Abschied von einem wichtigen Wegbegleiter, Freund und engagierten Christen. Sein Engagement werden wir in Ehren halten und fortsetzen so lange es möglich ist.

Für den Vorstand der Stiftung Sozialer Protestantismus

Ulrich Schneider / Jens Sannig

Für das Kuratorium der Stiftung Sozialer Protestantismus

Prof. Dr. Traugott Jähnichen